Der Koi, wörtlich: Brokatkarpfen (Cyprinus carpio)
Die Koihaltung ist hierzulande eine noch relativ junge Entdeckung der Gartenteichfreunde. Japan und China blicken schon auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, Großbritannien immerhin auf einige Jahrzehnte. Es ist vielleicht einmal interessant, über die eigenen Landesgrenzen zu schauen und die Freizeitbeschäftigung Koi in jenen Ländern zu betrachten. Dort ist der Koi wörtlich Nishikikoi (Brokatkarpfen) mehr als ein farbenfroher Teichbewohner: er ist ein gesellschaftliches Ereignis, Anlass zum Wettbewerb, ja, sogar ein Investitionsobjekt. Herr Manabu Ogata, erläuterte der Redaktion die verschiedenen Liebhabertypen.
Der reine Koi-Liebhaber
Er hat einen hübschen „Koifisch” beim Händler oder Züchter gesehen und nimmt ihn zur Bereicherung seines Gartenteichs mit nach Hause. Der Koi wird gefüttert und wächst zur Freude seines Besitzers heran. Gäste und Freunde bewundern den bunten Riesenkoi.
Der Koi-Hobbyist
Das Interesse an einer bewußten Koiaufzucht ist erwacht. Fachliteratur wird gelesen, Gleichgesinnte werden gesucht, Koizüchter und Händler bereist. In Japan finden regelrechte Koi-Parties statt, die meist mit einem gemeinsamen Besuch beim Koizüchter verbunden werden. In England gibt es zahlreiche Vereine.
Der Koi-Wettbewerber
Der fortgeschrittene Koihalter will wissen, wie seine Tiere im Vergleich mit anderen dastehen. Er nimmt an Leistungsschauen teil, die nicht nur ein spannender Zeitvertreib sind, sondern ihm auch die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit anderen Koihaltern bieten. Sporadische Preisgewinne erfüllen ihn mit Stolz.
Der engagierte Koi-Wettbewerber
Nach dem Gewinn mehrerer Preise ist der engagierte Wettbewerber bestrebt, eine Spitzenposition unter den Mitbewerbern zu erreichen. Er möchte stets die besten Koi präsentieren und schafft sich aussichtsreiche Koi zu sehr hohen Preisen an. Seine früheren Mitstreiter nennt er nun Gegner. Manchmal ersteht er noch kurz vor einer Leistungsschau ein aussichtsreiches Tier, um mit möglichst hohen Siegchancen in den Wettbewerb gehen zu können.
Der Koi-Investor
Er besorgt sich vielversprechende junge Koi und zieht sie sorgsam auf, um sie als erwachsene Exemplare zu einem guten Preis verkaufen zu können (z.B. an Typ 4). Es bedarf allerdings eines geschulten Auges, richtig zu investieren, d.h. unter den Jungfischen die wertvolleren Exemplare zu erkennen.
Der Koi Prestige-Besitzer
Er benötigt keine speziellen Kenntnisse, nicht einmal einen eigenen Teich, dafür aber einen guten Koi-Händler oder Züchter, der seine Koi pflegt und für Ausstellungen vorbereitet. Der wertvolle Koi als Statussymbol erfreut sich in den oberen japanischen Gesellschaftsschichten großer Beliebtheit, und, wie schon erwähnt, steht seine Präsentation im Eingangsbereich eines Unternehmens oder im Privatbereich seines Besitzers als Beweis für besonderere Leistungsfähigkeit oder Finanzstärke. Die Typisierung der Koi-Liebhaber erscheint uns zunächst fremd und unwirklich. Die Einflußnahme des Phänomens Koi auf das Leben und sogar auf den Charakter seines Besitzer wirkt übertrieben. Dennoch, gibt es nicht auch hierzulande Parallelen, wenn man z.B. die Rassehunde, -katzen und Pferdezucht, Reisetaubenveranstaltungen, Geflügel- und Singvögelschauen zum Vergleich heranzieht? Auch hier treffen wir auf Emotionen, wie Zusammengehörigkeitsgefühl, Besitzerstolz, Ehrgeiz und Gewinnstreben, die für die Beteiligten Formen des unterhaltsamen Zeitvertreibs darstellen.
Wo stehen wir derzeit auf der oben zitierten Koi-Skala? Stufe 1 und 2 haben wir schon längst hinter uns gelassen. Die steigenden Umsatzzahlen der Anbieter beweisen die wachsende Beliebtheit der Farbkarpfen, Koi-Treffs finden statt und Vereine existieren. Koi-Leistungsschauen gibt es auch schon, man denke nur an die Großveranstaltung im Juni dieses Jahres in der RheinRuhr-Halle zu Duisburg. Ich schätze, die Bundesrepublik hat schon ein mittelschweres Beben von 3,5 auf der Koi-Richterskala erreicht und die Sturmflut auf die Herzen der Gartenteichbesitzer rollt unaufhaltsam weiter. Japanische Großzüchter prophezeien, daß wir schon in absehbarer Zeit zu den großen Koisammlernationen Japan und England aufsteigen werden.
Die wichtigsten Zuchtformen:
Asagi/Shusui
Bekko
Hikarimoyomono
Hikari-Utsurimono
Kawarimono
Kinginrin
Kōhaku
Koromo
Ogon
Sanke
Showa
Tancho
Utsurimono