Die Nachkommen aus einer Kreuzung nicht verwandter Stämme nennen wir in der Guppy-Zucht Hybriden (die wissenschaftliche Definition für einen Hybriden ist etwas anders). Sie sind meist sehr kräftig, groß und oft sehr fruchtbar. Wenn sie auch nicht wie ihr Vater aussehen müssen, können sie in der F1 (die erste Folgegeneration) manchmal doch schöner und kräftiger gefärbt sein als er. Kreuzen wir jedoch solche Hybriden untereinander, erleben wir fast immer einen Rückschlag: die Guppys erreichen nicht annähernd das Aussehen ihrer Eltern. Warum nicht? Bei den Vorfahren waren bestimmte Merkmale durch die Auswahlzucht gefestigt. Durch die Kreuzung mit einem Guppy-Stamm mit völlig anderen Merkmalen ging diese Festigung verloren, und die Merkmale verwischen in den folgenden Generationen noch mehr, wenn wir nicht durch Zuchtauslese gegensteuern.
Wen es dennoch reizt, mit nicht verwandten Guppys zu starten, sei es, weil ihm das Ausgangsmännchen besonders gefällt oder weil ihn die schwierige Aufgabe reizt, der paare das Vatertier mit seinen kräftigsten Töchtern, danach mit seinen Enkeltöchtern und so fort, solange das Guppy-Männchen im Zuchtaquarium lebt und fortpflanzungsfähig ist. Anschließend nimmt man den besten Sohn oder Enkelsohn und setzt die Zucht fort. Dabei wählen wir natürlich stets das Guppy-Männchen aus, das unserem Zuchtziel am nächsten kommt. Aber Vorsicht! Bei der Wahl zwischen einem kleinen Männchen, das dem Zuchtziel gleicht und einem großen, gutgeformten, aber noch mit Fehlern behafteten Männchen sollte man sich immer für das letztere entscheiden. Sonst wird der Guppy-Nachwuchs schnell von Generation zu Generation kleinwüchsiger, und wir sind mit unserer Zuchtarbeit schnell am Ende.
Wer sich aus einer Fremdkreuzung einen Guppystamm aufbauen will, sollte sich nur mit diesem Stamm beschäftigen und von dem jeweilig ausgewählten Männchen so viele Guppyweibchen wie möglich belegen lassen. Bei einer peinlich genauen Zuchtauswahl in Richtung Zuchtziel, kann er damit rechnen, schon nach wenigen Generationen Erfolge zu sehen: die Männchen beginnen, sich einheitlich auszubilden. Dabei gibt es natürlich keine Garantie auf die Ähnlichkeit mit dem „Stammvater”. Zu groß sind die Einflußgrößen von seiten der Mütter, oder das Ausgangstier war von vornherein nicht erbfest: im Extremfall kann sich ein völlig anderer Farbschlag entwickeln. Um uns bei ernsthaftem Angang der Hochzucht Enttäuschungen zu ersparen, sollten wir also nur Guppys aus durchgezüchteten Stämmen miteinander kreuzen, denn nur hier sind die vererbbaren Merkmale bekannt. Mindestens aber eines der Ausgangsguppys sollte aus einem solch erbfesten Stamm kommen.